Die Schwedische Schule in Berlin wurde im Herbst 1906 formal gegründet. Zu diesem Zeitpunkt waren genügend Schüler und das erforderliche Startkapital zusammengekommen. Die Idee, in Berlin eine schwedische Schule zu eröffnen, war hingegen schon ein paar Jahre zuvor entstanden.
Im Jahr 1903 wurde die Schwedische Victoriagemeinde gegründet, und bald darauf kam der Wunsch auf, eine Schule für die Kinder zugezogener Schweden ins Leben zu rufen. Eltern wollten ihren Kindern eine gute Grundlage für die Rückkehr nach Schweden geben und sie zugleich an dem kulturellen Erbe teilhaben lassen, mit dem sie selbst aufgewachsen waren.
Anfangs war es nicht möglich, eine Ganztagsschule mit vollumfänglichem Unterricht zu gründen, und so einigte man sich auf die Schaffung einer Abendschule, zu der die Kinder ein- bis zweimal pro Woche kommen konnten. Eine Umfrage unter schwedischen Familien ergab, dass das Interesse groß war. Schwieriger gestaltete sich die Finanzierung, doch schließlich gelang es, Mäzene (wie man Sponsoren damals nannte) zu finden. Der größte Spender war ein deutscher Großhändler, der viel Handel mit Schweden trieb. Der Pfarrer Gunnar Hedlund gehörte zu denen, die sich stark und tatkräftig für eine schwedische Schule in Berlin einsetzten.
Im Herbst 1906 lagen genug Startkapital und Anmeldungen von Schülern vor, um eine Schule gründen zu können.
Der Unterricht selbst kam allerdings erst im Februar 1907 in Gang. Die erste Aufgabe der jungen Lehrerin Ragnhild Modin war es, die Familien zu besuchen, passende Unterrichtsgruppen zusammenzustellen und Räumlichkeiten für den Unterricht zu finden. Da die Entfernungen in Berlin groß waren, unterrichtete sie zunächst eine Gruppe in jenem Raum in der Oranienburger Straße, den die Schwedische Gemeinde für ihre Gottesdienste mietete, und zwei weitere Gruppen in anderen Berliner Stadtteilen in den Privathäusern von Familien: dienstags beim Maler Johannesson und freitags beim Maler Forsberg. Die Schulbibliothek brachte die Lehrerin in ihrem eigenen Bücherregal unter.
Der schwedische Kultus- und Kirchenminister Hammarskjöld besuchte die neu gegründete Schule und half ihr im Jahr 1908, vom schwedischen Reichstag Zuschüsse zu erhalten. Seitdem unterstützt der schwedische Staat – wie später auch der norwegische und der finnische – die Schwedische Schule in Berlin ebenso wie die anderen schwedischen Auslandsschulen, die nach und nach gegründet wurden. Der erste Zuschuss war mit 1 600 Kronen dotiert, und die Schwedische Gemeinde verpflichtete sich, die restlichen zwei Drittel des erforderlichen Gesamtbudgets beizusteuern. Das gelang dank einer Spende der „Vereinigung zur Erhaltung des Schwedischen im Ausland“ („Riksföreningen för svenskhetens bevarande i utlandet“) – jener Organisation also, die heute den zeitgemäßeren Namen „Vereinigung für Schwedenkontakt“ („Riksföreningen Sverigekontakt“) trägt und den Auslandsschulen nach wie vor wichtige Unterstützung bietet.
Während des Ersten Weltkrieges musste die Schule zeitweise aufgrund der schwierigen Situation in Berlin schließen.
Im Jahr 1922 erwarb die Gemeinde das Grundstück in der Landhausstraße und eine dazugehörige Villa. Hier bekam die Schwedische Schule auch zum ersten Mal ein eigenes Klassenzimmer. Die Schule erlebte einen Aufschwung, und von nun an konnte man einen kompletten Tagesschulbetrieb aufnehmen.
In den 1930er Jahren nahm das Interesse am ganztägigen Schulunterricht zu. Viele Eltern wollten nach der Machtergreifung Hitlers ihre Kinder nicht in eine deutsche Schule schicken. Es gab sogar sehr konkrete Pläne für den Bau eines eigenen Schulgebäudes, als der Zweite Weltkrieg begann.
Während des Krieges verließen viele schwedische Frauen mit ihren Kindern Berlin. Trotz großer Schwierigkeiten wurde der Schulbetrieb bis zum Schuljahresende im Sommer 1943 aufrechterhalten.
Erst im Frühlingshalbjahr 1948 konnte die Schule wieder aufmachen. Das Haus, das die Kirche und die Schule beherbergt hatte, war in den letzten Tagen vor der Kapitulation Deutschlands abgebrannt. Inzwischen hatte man jedoch eine Baracke auf dem Grundstück errichtet, in der sich auch ein Klassenzimmer befand. Aus Schweden bekam man Tische und anderes Schulmaterial geschenkt, und dank der Fürsorge des Roten Kreuzes wurde täglich eine Schulmahlzeit serviert, die so genannte „Schwedensuppe“.
Im Berlin der Nachkriegszeit, das sich zunehmend fremden Kulturen öffnete, stieß die Lucia-Feier auf großes Interesse. Die Schule wurde von nun an regelmäßig eingeladen, Lucia-Umzüge abzuhalten. Inzwischen besuchten auch norwegische und dänische Kinder die Schule.
Mit der Fertigstellung der neuen Kirchengebäude im Jahr 1957 erhielt die Schule ein neues, schönes Klassenzimmer und eine Turnhalle.
Die Schule war zu dieser Zeit mit 10 bis 20 Schülern sehr klein, doch nach der deutschen Wiedervereinigung 1990 passierte allerhand. Berlin wurde wieder Hauptstadt, und plötzlich wurde es für Menschen aus aller Welt interessant, hierher zu kommen – nicht zuletzt auch für Skandinavier.
Im Herbst 1994 hatte die Schule 42 Schüler – gegenüber 24 im Halbjahr davor. In den alten Räumen wurde es eng, und im Frühjahr konnte die Schule einen von der Schwedischen Gemeinde errichteten Neubau beziehen. Seitdem verfügt die Schule über fünf Klassenräume, ein Arbeitszimmer für die Schulleiterin und eine Turnhalle mit Umkleidekabinen und Duschen. Im Jahr 2006 feierte die Schwedische Schule in Berlin ihr 100-jähriges Bestehen mit einem großen Fest. Die Schule hat derzeit 43 Schüler (Stand: Frühjahr 2011).
Die Schwedische Schule mietet ihre Räume von der Schwedischen Victoriagemeinde. Im Gebäude befindet sich auch die norwegische Gemeinde. Die Schwedische Victoriagemeinde ist zugleich Eigentümerin der Schule. Es muss jedoch betont werden, dass der Schulunterricht nicht-konfessionell und inhaltlich von der Kirche unabhängig ist. Der Religionsunterricht folgt dem schwedischen Lehrplan und wird durch die Lehrkräfte der Schule erteilt.







